aktionszeichen gewitter

Mädchen, 7; 2 Jahre

Ein Gewitter zieht auf

Wind kommt auf. Er nimmt allmählich an Heftigkeit zu, wächst sich zu einem gewaltigen Sturm aus. Die Mutter erwartet zu Recht einen Regenschauer und ruft: „Die Wäsche, die Wäsche!" Diese hängt im Freien und wird schnell von der Leine genommen. Tatsächlich setzt kurz darauf der erwartete Regen ein. Als dieser aufhört, zeigt sich ein Regenbogen am Himmel. Das ist der Vorgang, welcher der Zeichnung zugrunde liegt.
Das Mädchen zeichnet zuerst die Leine und danach als erstes Wäschestück eine Strumpfhose: dritte Form von links. Noch weht kein Lüftchen, weshalb das Mädchen nur die Umrisslinie für die Darstellung verwendet. In den Himmel über dieser Strumpfhose setzt das Mädchen eine große weiße Schönwetterwolke. Das Wäschestück am linken Bildrand ist relativ gleichmäßig zuschraffiert. Damit soll der aufkommende noch leichte Wind veranschaulicht werden. Die Form ist klar ablesbar. Als dann der Sturm losbricht, gibt das Mädchen die übrigen Wäschestücke in der Form von Aktionskritzel wieder (Kritzelzeichen), d. h. nicht die Form, sondern das Flattern der Wäschestücke bestimmt die Gestaltung. Mit ebenso heftigen Strichen zeichnet das Mädchen eine dunkle Gewitterwolke in die rechte Bildhälfte. Dann ist das Gewitter abgezogen und ein Regenbogen erscheint am Himmel.
Immer wieder erstaunt die Logik in den Kinderzeichnungen. So ist der Wäschekorb in der linken unteren Ecke in der Aufsicht als Kreis dargestellt, damit man hineinschauen kann. Er ist leer, was nicht verwundert, da offensichtlich alle Klammern benötigt wurden.
In konsequenter Weise sind die Klammern auch dort eindeutig klar wiedergegeben, wo die Wäsche wegen des Sturms heftig flattert. Darin liegt der Unterschied zur frühen Kritzelphase. Dort bestimmt die motorische Lust das Kritzeln, hier der inhaltliche Bezug: Wäsche flattert, die Wäscheklammer nicht.

Eberhard Brügel, 2014