Emotionaler Anlass Freude Schwesterchen

Mädchen, 3;3 Jahre, dicker Filzschreiber: Mutter, die Zeichnerin und die neugeborene Schwester

Die Mutter kommt mit der neu geborenen Schwester nach Hause

Als das Bild entsteht, ist die Mutter zwei Tage zuvor aus der Klinik zurück gekehrt, Zuerst zeichnet das Mädchen den Kreis. Da Kinder in diesem Alter den Kreis als einen Raum erfahren, darf vermutet werden, dass hier die Wohnung gemeint ist im Sinne: Mama ist wieder daheim.
Dementsprechend zeichnet das Mädchen die Mutter zuerst. Bei einem dicken Filzstift und den relativ kleinen Ausmaßen der Zeichnung (Höhe: ca. 7 cm) verwundert es kaum, dass die beiden Füße - sicherlich unbeabsichtigt - einen großen Fleck ergeben. Dagegen ist der Kreis zwischen den Beinen durchaus beabsichtigt: „Da ist das Bäblein drin." kommentiert das Mädchen und korrigiert sich sofort: „Da war das Bäblein drin." Darauf zeichnet das Mädchen das neu geborene Schwesterchen rechts (aus der Sicht des Betrachters). Auf die Frage der Mutter, wo es selbst auf der Zeichnung zu sehen sei, zeichnet es zuerst einen Kopf links neben der Mutter. Als es erkennt, dass der Platz für eine Figur nicht ausreicht, streicht es den Kopf zu und bezeichnet ihn als „Schmuckstein". Dann zeichnet es sich selbst zwischen dem Schwesterchen und die Mutter. Das rechte Bein verläuft dabei über den Kontur des Kopfes und das linke Bein der Schwester. Auch hier bilden die beiden Füße des Mädchens wie bei Mutter zusammen einen Fleck. Deshalb ist nur noch das Bein des Babys auf der rechten Seite zu erkennen. Füße als Kritzelzeichen oder gefüllte Kreise wie bei der Mutter und der Zeichnerin sind nicht vorhanden. Kein Wunder: das Baby kann ja noch nicht stehen.
Die Zeichnung entsteht ausschließlich aus einem emotionalen Anlass. Die kleine Zeichnerin freut sich über das kleine Schwesterchen und darüber, dass die Mutter wieder daheim ist. Sie liebt das kleine Schwesterchen sehr und, wo sie nur kann, zeigt sie ihre Zuneigung.

Eberhard Brügel, 2014