Indianerzelt 01

Mauerputz                                         Stein                                              Sackleinen                                 Kronenkorken

Indianerzelt mit Hundepfotenabdruck im Ton

Eine indianische Brosche, mit dem Tatzenabdruck eines Bären geschmückt, reizt Valentin und seinen Freund Niklas, die Pfote der Familienkatze Ronja, die sich neben ihnen gerade auf dem Balkon befindet, in einer flach geklopften Tonplatte abzudrucken.
Nun, das ist leichter gedacht als gemacht, zumal Katzen wohl kaum die Indianerfantasien von kleinen Jungen nachempfinden dürften. Jedenfalls scheitert der Versuch, da sich außerdem die Katzenpfote für das geplante Unternehmen als zu weich erweist.
Also beschäftigen sich die beiden Jungen anschließend mit dem Abdruck von festeren Materialien wie Mauerputz, Steine, Rinden usw., nachdem einer der beiden zufällig auf einen auf dem Boden liegen Tonklumpen getreten war. Dabei hatte sich die Struktur seiner Schuhsohle eingeprägt. Der Ohrhänger von Johanna, der Schwester von Valentin, regt die Jungen dazu an, die Tonabdrucke zu durchbohren. Das mag zwar kreativ gedacht sein, dürfte aber zum Tragen dieses ungewöhnlichen Ohrschmuckes einige Probleme bedeuten.

 

Indianerzelt 02

Valentin, 7;5 Jahre                                                                                                       Niklas, ca. 7;5 Jahre

 

Es wäre ein Irrtum zu glauben, dass das Fiasko mit der Katze ein für allemal sozusagen eine Schutzzone für die Tierwelt geschaffen hätte. Beileibe nicht! Denn Katze ist nicht Hund und umgekehrt. Denn als der Hund von Niklas nichts Böses ahnend auf den Balkon erscheint, muss diesmal er seine Pfote als Druckstempel herhalten. Diesmal klappt es, wie am Indianerzelt zu erkennen ist. Dass es dem Tier nicht gerade wohl in seinem Fell war, sieht man an den ausgestellten Krallen, die ebenfalls im Ton ihre Spuren hinterlassen haben.
Danach werden mit einem Zahnstocher noch Muster in die Tonplatte geritzt. Solchermaßen geschmückt wird diese um vier lange und dicke Eisennägel aus der Werkstatt des Vaters, eines Schreiners, gelegt. Holzstäbe hätten ja den Brand nicht überstanden. Das Indianertipi ist fertig.

 

Indianerzelt 03

Das Zelt wird auf eine Tonplatte gestellt, in das die beiden Jungen das Datum „1. 4. 2013" und „Bommel", den Namen des Hundes, ritzten. Schließlich wird mit „links" dokumentiert, dass es sich bei dem Abdruck um die linke Vorderpfote des Hundes handelt.
Weiterhin wird der noch freie Platz um das Zelt herum mit Sträuchern bepflanzt, die mit einer Knoblauchpresse hergestellt werden.

 

Indianerzelt 04

Gemeinschaftsarbeit von Bommel, Valentin und der 5-jährigen Johanna

 

Für Bommel bedeutet dies keinesfalls die endlich gewonnene Schonung. Denn wieder wird seine Pfote benötigt, diesmal als Abdruck auf einer Tonplatte neben den Handabdrücken von Johanna und Valentin. Mit den eingeritzten Namen und einer Hängevorrichtung ist ein Hausschild entstanden.
Die beiden Jungen gehen in unterschiedlicher Weise mit Ton um: formen - Zelt; prägen/Abdruck – Pfote; Verwendung eines Gerätes - Knoblauchpresse; ritzen mit einem Zahnstocher. Schon allein diese wenigen Anwendungsbeispiele belegen, wie Ton zu vielfältig differenziertem Handeln anregt.
Es ist deshalb ausgesprochen bedauerlich, dass nur ausgesprochen wenige Kindertagesstätten, Grundschulen und Familien den Kindern Ton anbieten, nicht zuletzt deshalb, weil Ton - übrigens nicht nur auf Kinder – eine ungewöhnliche Faszination ausübt. In der Regel wird der vermeintlich zu hohe organisatorische Aufwand gescheut; zu Unrecht übrigens, denn viel mehr Aufwand als mit flüssiger Farbe malen zu lassen, erfordert Ton nicht. Auch der Einwand, dass es keine Gelegenheit gibt, den Ton brennen zu lassen, darf als Argument nicht gelten. Denn bei sorgfältigem Umgang hält sich der nur getrocknete Ton sehr lange.
Am günstigsten ist es natürlich, im Freien „tonen" zu lassen. Wem diese Möglichkeit nicht zur Verfügung steht, der suche einen pflegeleichten Raum in der Wohnung. Meistens dürfte dies für die Küche zutreffen. Als ausgesprochen vorteilhaft hat sich Ton übrigens bei Kinderfesten erwiesen. Denn alle Kinder sind eine erstaunlich lange Zeit damit beschäftigt.

Eberhard Brügel, 2014