lautzeichen01

Christopher, 3;4 Jahre


Erfindung von Lautzeichen für Donner und den Schrei eines Tieres

Kinder denken bei ihren Zeichnungen zeichenhaft. Das heißt: sie versuchen erst gar nicht, die Dinge so darzustellen, wie sie diese visuell wahrnehmen. Vielmehr zeichnen sie, was sie wissen, sich vorstellen und erfahren haben. Anders formuliert: sie setzen Zeichen für etwas. Dazu gehören auch akustische Wahrnehmungen.
Aus diesem Grund wurde für diese Besonderheit des bildhaften Denkens der Kinder der Begriff „intellektueller Realismus" im Gegensatz zum „visuellen Realismus" der Jugendlichen eingeführt.
Christopher zeichnet eine Wolke als liegendes Oval, eine Form, die für ihn in erster Linie die Funktion eines Gefäßes besitzt. Denn, da der Regen aus der Wolke kommt, muss dieser sich auch darin befinden. Das sich am oberen Rand der Wolke befindliche Zickzack-Kritzel bezeichnet Christopher als Donner.

 

lautzeichen02

Seraphim, 3;3 Jahre

 

Seraphim beginnt seine Zeichnung mit einem roten Stift. Bevor er zur blauen Farbe wechselt, sagt er: „Das ist ein Tier." Nachdem er mit seiner Zeichnung fertig ist, zeigt er auf die roten Bögen, die in paralleler Anordnung bis in das Maul des Tieres reichen, und ruft laut: „Das Tier macht WÄHHH!"

Eberhard Brügel, 2014