Angler 01

Anne 5;11 Jahre: „Die Geschichte vom schrecklichen Ende eines Anglers“, mit nicht wischfester Kreide gezeichnet

Reihenbild zum Thema Angler

1. Bild: Ein Angler befindet sich am Ufer mit einer Angelrute, an deren Schnur ein Schwimmer und ein übergroßer dreifacher Haken befestigt sind, Es regnet. Noch scheint der materiale Reiz der Kreide bei Anne ein Experimentierverhalten stärker zu begünstigen als die Absicht einer genaueren Darstellung.

 

 Angler 02
2. Bild: Der Angler sitzt am Ufer, auf dem sich auch eine Krabbe befindet. Noch sind dunkle Wolken am Himmel. Es regnet aber nicht mehr. Ein Fisch hat angebissen. Im Eimer befindet sich noch kein Fisch. Ein Seehund springt aus dem Wasser, hinter ihm befinden sich ein großer Fisch mit einem grimmigen Ausdruck und eine Möwe mit Schwimmhäuten zwischen den Zehen.

 

 Angler 03

3. Bild: Der Angler befindet sich jetzt auf der rechten Seite des Bildes. Er hat einen zweiten Fisch an der Angel. Der zuerst Gefangene befindet sich im Eimer, was in einer Art und Weise dargestellt ist, die in der Fachliteratur als Röntgenbild bezeichnet wird.

 

Angler 04

Die Krabbe hält sich immer noch auf dem Ufer auf. Auf der linken Seite schwimmen zwei Möwen. Über diesen fliegt eine weitere, die der Feder nachblickt, die sie eben verloren hat. Dazu verwendet Anne das Prinzip des gemischten Profils: Augen und kleiner Schnabel am linken Kontur des Kopfes orientiert, der große Schnabel dagegen am rechten. Die Regenwolken haben sich nun endgültig verschoben.

 

Angler 05

4. Bild: Die Darstellung des Anglers auf der Uferzone mit einem Fisch an der Angel stimmt weitgehend mit Bild 3 überein. Den Raum über dem
Wasser nimmt nach Auskunft von Anne neben einer Schar von Möwen ein Walfisch ein, dessen Erscheinen bereits in Bild 2 angekündigt wurde.
Dieser hat sein Maul so weit geöffnet, dass eine Reihe von Zähnen zu sehen sind. Anne kommentiert die Situation: „Der will die Fische retten“.
Wie dies geschieht, schildert das nächste Bild.

 

Angler 06

5. Bild: Der Walfisch hat den Angler verschluckt. Dieser vergießt wegen seines schrecklichen Schicksals Tränen. Die Fische haben jetzt nichts mehr vom Angler zu befürchten. Auch der Fisch, der sich zuvor noch im Eimer befand, ist jetzt frei. Zusammen mit der Krabbe nimmt er den Platz ein, der zuvor vom Angler besetzt war.
Der kleinen Zeichnerin geschieht jedoch ein Missgeschick. Sie ließ den Walfisch auch eine Möwe verschlucken. Dieses Desaster muss verständlicherweise sofort behoben werden. Kreide kann jedoch nicht radiert werden, d. h. Anne jedenfalls weiß nicht, wie Kreidestriche gelöscht werden können. Also versucht Anne mit einem nassen Pinsel die Zeichnung der Möwe im Bauch des Walfisches zu tilgen, was jedoch nur einen verschmierten Fleck über der Möwe hinterlässt.
Anne zeigt uns aber noch, wie es eigentlich gemeint war, indem sie die Zeichnung der Möwe außerhalb des Walfisches und in der unmittelbaren Nähe der verschluckten Möwe sozusagen deckungsgleich wiederholt. Wir sind also aufgefordert, freundlicherweise die eine Zeichnung unbeachtet zu lassen und dafür die andere als vollwertigen Ersatz zu akzeptieren.

 

Eberhard Brügel August 2019

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Hinweis: Der Begriff Röntgenbild vermittelt eine falsche Vorstellung, als ob feste Stoffe für Kinder gegebenenfalls transparent sein können. Das trifft nicht zu. Vielmehr will beispielsweise Anne mitteilen, dass sich hier in diesem Eimer ein Fisch befindet. Diese Information ist so wichtig, dass der Fisch im Eimer gezeichnet wird, obwohl Anne durchaus weiß, dass der Eimer nicht durchsichtig ist.